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1999: Ehemalige jüdische Binger zu Besuch

Aktion Wiedersehen
Binger Juden besuchen im Juni ihre Heimatstadt / 'Bausteine' sollen Aufenthalt finanzieren - Bericht der AZ vom 16. März 1999

 'Diese Einladung ist die schönste Nachricht, die ich jemals bekommen habe.' Arnold Schott aus Kalifornien ist über den Brief der Stadt und des Arbeitskreises Jüdisches Bingen hellauf begeistert. Zusammen mit etwa 15 anderen, in Bingen geborenen und aufgewachsenen Juden wird er vom 2. bis 8. Juni seine Heimatstadt besuchen können.
Als eine Geste an die wenigen noch lebenden Juden der ehemals über 700-köpfigen Gemeinde am Rhein-NaheEck möchten Stadt und Arbeitskreis ihre Einladung verstanden wissen. 'Viele leben heute in Tel Aviv und den USA, einige auch in Chile, Schweden, England und Mexiko', berichtet die stellvertretende Vorsitzende des engagierten Arbeitskreises, Beate Goetz.

Schon Mitte der 80er Jahre nahm die Stadt Kontakt zu Binger Juden im Ausland auf. Vor zwei Jahren wurde dann der Arbeitskreis gegründet. 'Mit 40 Menschen stehen wir in regelmäßiger Korrespondenz', verweist Josef Götten als Vorsitzender auf Bemühungen und Gespräche.

'In vielen Briefen war der Wunsch herauszulesen, die alte Heimat noch einmal besuchen zu können', stellt Bürgermeisterin Brigitte Giesbert, ebenfalls im Arbeitskreis aktiv, heraus. Ausgehend von diesem Wunsch, zu den Wurzeln zurückzukehren, wurden im vergangenen Oktober ehemalige Binger Juden angeschrieben und ihnen ein Angebot für ein Wiedersehen gemacht. 18 haben geantwortet, 15 werden mit Begleitperson die Einladung annehmen.

Die Reise in die Heimatstadt umfaßt Flug und Übernachtung im Hotel, die vom Arbeitskreis und der Stadt gemeinsam übernommen werden. In Bingen sind bisher eine Schiffahrt, eine Weinprobe, ein Stadtrundgang und eine Diskussionsrunde mit Schülern geplant. 'Ein Angebot, um ein klein wenig das wieder gut zu machen, was den Juden widerfahren ist', formuliert Brigitte Giesbert. Wichtig sei es zu zeigen: 'Wir in Bingen denken an euch.'

Doch um als Gastgeber auftreten zu können, fehlt es noch an finanzieller Kraft: Zwar hat der Stadtrat ... Mark für die 'Brücke der Begegnung' zur Verfügung gestellt, der Arbeitskreis muß aber noch einmal die gleiche Summe aufbringen. Ideen waren gefragt. Nachdem eine breit angelegte Briefaktion mit der Bitte um finanzielle Unterstützung rund ... Mark erzielen konnte, geht der Arbeitskreis am 13. März und am 17. April auf dein Speisemarkt an die breite Öffentlichkeit: Von 10 bis 14 Uhr soll mit Stellwänden und Informationen für das 'Wiedersehen mit Bingen' geworben werden. Alte und neue Fotos der Bingen-Besucher werden auf Stellwänden zu sehen sein, außerdem Textauszüge aus Briefen.
'Wenn mit dieser Aktion der Wunsch entstehen würde, den alten Klassenkameraden oder den ehemaligen Nachbarn noch einmal zu treffen, dann hätten wir viel erreicht', gibt sich die Vizevorsitzende hoffnungsvoll. Wer die Aktion 'Wiedersehen mit Bingen' unterstützen möchte, kann 'Bausteine' kaufen, eine Fotografie der alten Synagoge, oder Spenden einzahlen auf ein Sonderkonto.