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1999: Ehemalige jüdische Binger zu Besuch

Besuchs-Terminplan
Bericht der Neuen Binger Zeitung (NBZ) vom 26. Mai 1999

Die ehemaligen jüdischen Bürger in ihre alte Heimat einladen zu können, das war noch vor gut einem Jahr nur eine schöne Wunschvorstellung in den Reihen des neugegründeten 'Arbeitskreises Jüdisches Bingen'. Durch einen enormen Einsatzwillen seiner Mitglieder und durch eine finanzielle Unterstützung der Stadt und zahlreicher Sponsoren ist es möglich geworden, daß vom 2. bis 8. Juni 16 ehemalige Binger Juden Gäste der Stadt und des Arbeitskreises sind. Sie werden begleitet von ihren Ehepartnern oder von einem ihrer Kinder. Nur wenige kommen allein.
Aus Israel reisen an Karl Bermann und seine Schwester Herta Raviv, Siegfried Marx und seine Cousine Anneliese Samter geb. Marx, Suzanne Pepper geb. Herz.
Aus den USA werden erwartet: Hilda Berger geb. Kahn, Walter Boll, Dr. Ruth Frank, Ruth Greenwood geb. Heyum, Lisa Japha geb. Gross, Stephan Kann und seine Schwester Ellen Pine, Lore Odenheimer geb. Mayer und Arnold Schott.
Aus Chile kommt Herbert Brück und aus Mexiko seine Schwester Doris Herzberg.

Treffen mit OB
Die erste Begegnung untereinander und mit den Gastgebern findet am Abend des 2. Juni statt. An Fronleichnam, Donnerstag, 3. Juni, empfängt die Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen (CDU) die Gäste auf Burg Klopp.
Am Nachmittag bittet Hans Natt, der in Bingen zur Schule ging, vor den Nazis nach Bolivien floh, später in Israel lebte und heute Binger Bürger ist, die Besucher zu einem Umtrunk in ein Binger Weingut. Der Freitag beginnt mit einer Stadtrundfahrt einschließlich aller Stadtteile.
Ab 15 Uhr findet eine 'Offene Begegnung' im Cafe Köppel statt, in deren Verlauf Herbert Brück einen Rückblick halten will. Zu diesem Programmpunkt ist jeder willkommen, der Erinnerungen austauschen oder einfach nur zuhören möchte.
Am Samstag ist eine Fahrt nach Mainz geplant mit Gottesdienst und Kiddusch in der jüdischen Gemeinde, einer Besichtigung der Chagall-Fenster und einem Gang durch die Altstadt.
Der Tag endet mit einer Sektprobe und Führung in der Sektkellerei Kupferberg. Für den Sonntag ist ein Besuch des jüdischen Friedhofs vorgesehen und eine Rheinfahrt.
Den Sonntag Abend werden die Gäste auf Einladung des Arbeitskreises Jüdisches Bingen im Keller des Stefan-George-Hauses verbringen.
Für den letzten Besuchstag haben sich Schüler und Lehrer verschiedener Schulen auf einen Gedankenaustausch mit einzelnen Gästen vorbereitet.
Alternativ ist ein Museumsbesuch möglich. Um die Mittagzeit geht es dann nach Ingelheim zu einem Empfang bei Landrat Claus Schick (SPD).

Zahlreiche Briefe
Auf der Rückfahrt wartet auf die Teilnehmer eine Weinprobe in der Villa Sachsen und eine Besichtigung des renovierten Hauses mit anschließendem Kaffee.
Aus den Briefen, die den Arbeitskreis erreichen, ist zu erkennen, daß die Gäste sich sehr auf das 'Wiedersehen mit Bingen' freuen. Besonders wichtig aber ist ihnen die Begegnung mit alten Bekannten nach oft mehr als 60 Jahren.
Daß dieser Aufenthalt für die meisten mit zwiespältigen Gefühlen verbunden sein wird, sagen die Worte einer Besucherin aus Israel, die schreibt:
'Ich sehe meiner Reise mit freudiger Erwartung und ein bißchen Angst entgegen.' Die Gastgeber wünschen sich, daß dieser Besuch den jüdischen Gästen gute und versöhnliche Tage des Wiedersehens mit ihrer früheren Heimatstadt und ihren Bewohnern bringen möge.