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1999: Ehemalige jüdische Binger zu Besuch

Besuch im Juni 1999
'Rückwärts verstehen und vorwärts leben'  -  Bericht der Neuen Binger Zeitung (NBZ) vom 9. Juni 1999

Es schien, als handele es sich bei den 27 Personen auf Burg Klopp um eine ganz normale Reisegruppe. Tatsächlich aber bedeuteten diese Menschen einen ganz ehrenvollen Besuch an einem wirklich bedeutenden Tag für die Stadt. Zu Gast waren jüdische ehemalige Binger, die die unfaßliche Zeit des Nationalsozialismus im Ausland auf der Flucht überlebt haben.
Jetzt, fast 60 Jahre später, sahen sie ihre alte Heimatstadt im Rahmen einer Begegnungswoche wieder. Im Gepäck hatten sie jede Menge Erinnerungen, Fotos aus alten Zeiten, die beim offiziellen Empfang an Fronleichnam auf Burg Klopp herumgezeigt wurden. Namen schwirrten durch den Raum.
Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen (CDU) fand die richtigen Worte. 'Das Leben verstehen kann man nur rückwärts, aber leben können wir nur vorwärts', zitierte sie einen Überlebenden des Konzentrationslagers Sachsenhausen und bemerkte: 'Am heutigen Tage stehen wir am Schnittpunkt dieser Aussagen.'
Die ehemaligen Binger kamen zurück in ihre Heimatstadt, zur Erinnerung an die Vergangenheit, aber auch um zu sehen, wie sich ihr Bingen entwickelt hat. Sie alle kamen gerne, freuten sich über den Besuch, staunten, wie sich ihre Stadt entwickelt hat. Für die Nachkriegsgeneration gilt, sich der Vergangenheit zu stellen, aus der Geschichte zu lernen. 'So etwas darf nie wieder geschehen', ruft einer der ehemaligen Binger aus und formuliert dabei auch gleich die Maxime der Institution, die dieses Treffen zu einem großen Teil möglich gemacht hat, der Arbeitskreis Jüdisches Bingen.