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Erinnerung an Schicksale

Die Cousins Amnon Lahav (links) und Amos Livne auf den Spuren ihrer Vorfahren. Foto: Christine TschernerFoto: privat

STOLPERSTEINE Metallplatten machen jüdische Spuren sichtbar
AZ-Artikel vom 1. September 2011

BINGEN (cts). Steine erinnern: Gestern verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig 14 weitere Stolpersteine im Stadtgebiet. Kleine Metallplatten mit den eingravierten Namen der früheren Hausbewohner machen bewusst: Hier lebten bis zum Holocaust jüdische Mitbürger. 

Amnon Lahav (64) und Amos Livne (67) lassen eine rosa Blüte auf dem Bürgersteig zurück. „Am Rupertsberg hatten unsere Großeltern ihr Schuhgeschäft, im Stockwerk darüber wohnte die Familie." Kennen gelernt haben die beiden Männer aus Israel Opa und Oma nie. Moritz und Else Wolff wurden Opfer der Judenverfolgung. Ihre Spuren enden mit der Deportation im März 1942 nach Polen. „Sie waren einfach tot." Zusammen mit ihren Familien reisten der Farmer Livne und der Kibbuz-Bewohner Lahav an den Rhein. „Viel Hilfe bei der Suche nach Wurzeln bot uns der Arbeitskreis Jüdisches Bingen. Unglaublich, welches Wissen dort zusammengetragen wurde." Die Cousins loben die akribische Puzzlearbeit von Beate Goetz. Die Vize-Vorsitzende des 1998 gegründeten Vereins pflegt seit 14 Jahren Kontakt zu den Nachfahren Binger Juden, lädt zu Treffen ein. „Uns hat sie ein ganzes Besuchsprogramm zusammengestellt", sagt Amnon Lahar. Stolpersteine sind in Binff gen längst Mittel zur Erinnerung. Die jüdischen Familien, die in der Zeit der Nationalsozialisten ermordet wurden, bleiben so im Bewusstsein der Stadt erhalten. Die kleinen Steinquader mit gravierter Messingplatte stehen für deportierte und ermordete Juden. Die einst blühende jüdische Gemeinde in der Rhein-Nahe-Stadt füllt sich mit Namen und Orten. „Denkmal von unten" heißt das Konzept. Dezentral und bundesweit an das Unrecht erinnern, das ist die Idee.

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Anmerkung zum Besuch von Amnon Lahav (links) und Amos Livne - Enkel von Moritz und Else Wolff aus Bingerbrück. Sie besuchten Bingen mit einer großen Gruppe von Familienangehörigen und nutzten dies zu einer Reise in das Land der Vorfahren. Den Besuch bei der Stolpersteinaktion und in Deutschland dokumentieren sie in einem Video bei "Youtube". Klicken Sie hier: