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Nomi Samter

Erinnerungen der Nomi Samter geborene Anneliese Marx (* 1919) aus Bingerbrück.  Transkription von Tonbandaufnahmen, erstellt von Rafi Siano aus Haifa. Sein Großvater Leo Marx war ein Bruder von Nomi Samters Vater Robert, Schmarjahu Marx’ Vater Moritz, von Isidor und Eugenie Marx.

4. Leben im Kibbuz

Das Erlernen der hebräischen Sprache fiel uns sehr schwer, wir kannten ja kaum das hebräische Alphabeth. Wir arbeiteten einen halben Tag und am Nachmittag lernten wir, aber innerhalb unserer Gruppe von Kameraden und Freundinnen sprachen wir Deutsch. Unter uns waren auch ehemalige Absolventen von jüdischen Schulen, welche dank deren Vorkenntnissen die Sprache schneller erlernten. Aber wir hatten gute Lehrer, z. B. Dvorai, der im ganzen Lande einen guten Namen hatte.

Als ich sechzehnjährig nach En Charod kam, wusste ich nicht viel über Zionismus, aber mit der Zeit lernte ich dazu. Alles in allem blieben wir fünf Jahre in En Charod, die zwei ersten Jahre im Rahmen der Jugendalija und dann noch drei Jahre als vollwertige Chawerim (Kibbuzmitglieder).

Unsere Jugendalija-Gruppe trug die Bezeichnung "B". Wir waren also die zweite Gruppe aus Deutschland (die erste Gruppe war im Januar 1934 nach En Charod  gekommen). Nach uns kamen noch mehrere Gruppen, denen wir bei der Einordnung sehr behilflich waren. Eva  aus der Gruppe Daleth (4/D) wurde meine beste Freundin. Der Kontakt mit den im Lande Geborenen war jedoch eher schwierig.

Im Jahre 1941 verließen wir den Kibbuz. Diese  Zeit war gekennzeichnet durch ideologische Auseinandersetzungen, an deren Ende der Kibbuz sich spaltete. Hans und ich gingen nicht oft zu den Versammlungen, wir waren nicht "politisch" und somit ergriffen wir keine Partei, weder für "Ichud" (Einheit) noch "Meuchad"(Vereinigt).

Der zweite Grund, warum wir En Charod verließen, war meine Gesundheit. Ich litt seit meiner Ankunft unter Furunkulose, und alle Behandlungen halfen nicht. Der Vater von Hans, von Beruf Apotheker, beriet sich mit verschiedenen Ärzten, und diese kamen zum Schluss, dass nicht die Arbeit im Weinberg und nicht das Essen an meinen gesundheitlichen Problemen schuld war. Und siehe da, nach unserem Wegzug wurde ich gesund, und meine Leiden verschwanden.