. . STARTSEITE | KONTAKT | IMPRESSUM

Vorbemerkung

Rafi Siano, der in den Beiträgen zur Lebensgeschichte von Schmarjahu (Siegfried) Marx und Nomi Samter geborene Anneliese Marx (* 1919) aus Bingerbrück Leben und Schicksale darstellt, verfasste im Jahr 1973 einen Nachruf auf Gadi Samter, Sohn von Nomi Samter.
_____________________________________________________________

7. Nachruf - auf Einen für Alle

Gadi Samter, Sohn von Nomi Samter, geb. Marx

Nachruf auf einen gefallenen Israeli - Gadi Samter

Mein Cousin Gadi Samter wurde am 15. Oktober 1973 auf den Golanhöhen tödlich getroffen. Er war zwanzig Jahre alt, als Fallschirmabspringer und Sanitäter ausgebildet. Ich möchte seiner gedenken, und dieses Gedenken soll stellvertretend auch jenen Gefallenen gelten, welche mir nicht persönlich nahestanden.Wir weinten an Deinem Grab, Gadi, weil Du um Dein Leben betrogen und wir um Dich bestohlen wurden. Wir weinten, weil wir, unser Volk, durch Deinen Verlust ärmer geworden sind.Du bist mir als Mittelschüler in Erinnerung, als Lausbub mit den Füßen auf dem Tisch. Schon damals ging etwas von Dir aus: Ruhe, Sicherheit, Verstand, Wärme und Liebe. Du hattest diese Eigenschaften von Deinen Eltern übernommen, welche uns, als wir ins Land einwanderten, ein Pol waren. Ein Heim, wo man zu jeder Tages- und Nachtstunde ein- und ausgehen kann.Du, Gadi, hattest seit Deinen Primarschuljahren mit einer seltenen Beharrlichkeit die Natur beobachtet. Aber nicht spielerisch, sondern mit tiefer Liebe und mit dem Ernst des Wissenschaftlers: das Verhalten der Hamster, Vogel, Katzen und Kaninchen war für Dich ein offenes Buch. Die Gräser, Blumen und Sträucher in den Feldern, auf den Höhen und in den Wüsten unseres Landes kanntest Du wie wenige. Du unternahmst Streifzüge in der Natur wie ein begnadeter und besessener Forscher.Du gingst mit Deiner Chevre, mit Deinen Kameraden aus der Stadt Petach Tikva hinauf auf die Golanhöhen. Du warst bereits Sekretär Deines Kibbuz, Stütze und Halt Deiner Freunde und der Siedlung. Du träumtest den Traum vom einfachen Leben; von einer gerechten Gesellschaft.Als am Jom Kippur die syrischen Tanks Euren Kibbuz überfielen, befahl man Euch den Rückzug, aber Dur suchtest den Kampf zur Verteidigung der Heimat. Unter niedergehenden Granaten hast Du Verletzte geborgen, Viele, getränkt und gefüttert - Du bist Deinen Freunden zur Legende geworden. Du hast noch erlebt, daß wir die Angreifer zurückschlugen, dank Dir und Deinesgleichen.Deinen Eltern, Deinem Bruder und Deinen Freunden sei vergönnt, die Gewißheit zu erleben, daß alles nicht umsonst war.Ein Stück Israel wurde mit Dir begraben.El maleh rachamim? 15. November 1973 Rafi Siano

(Der Artikel nach dem Jom Kipur-Krieg 1973 war in der zionistischen Zeitung „Das neue Israel“ erschienen)