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Traustein und Eisentür

Überreste in Jerusalem
Traustein und Eisentür

Der Traustein und die geschmiedete Eisentür der ehemaligen Binger Synagoge

Artikel von Dr. Hans-Josef von Eyß und Beate Goetz

Als M. Bernstein 1951 1) eine Besichtigung der Überreste der in der Pogromnacht 1938 zerstörten Binger Synagoge in der Rochusstraße durchführte, fand er in der Wand der Ruine, wo auch die künstlerisch wertvolle Heilige Lade („Aron-Hakodesch“) von der alten Synagoge aus der Rheinstraße eingebaut war, den ebenfalls von der alten Synagoge übernommenen Traustein, eine Rosette aus rotem Sandstein.  In dieser Wand waren auch der steinerne Giebelteil der alten Thora-Lade sowie die steinernen Türrahmen der alten Synagoge eingelassen. In den Trümmern fand er überdies noch die zwei eisernen Eingangstüren, welche ebenfalls von der alten Synagoge stammten. Im Jahr 1970 wurde bei den Abrißarbeiten auch die hier noch stehende Wand an der Ostseite der Synagoge, wo sich die Heilige Lade befand, mit der davor  gelegenen Estrade, ebenfalls beseitigt. Die Inschrift und die beiden sie umrahmenden Säulen sind noch deutlich erkennbar.

Das nebenstehende Bild zeigt sie im noch unzerstörten Zustand. Traustein und eiserne Türen befinden sich heute im Bezalel-National-Museum in Jerusalem, nachdem sie zuvor auf der Ausstellung „Monumenta Judica“ im Kölnischen Stadtmuseum im Zeughaus vom 15. Oktober 1963 bis zum 15. März 1964 gezeigt wurden. Ziel der Ausstellung war, der breiten Öffentlichkeit ein Bild der fast zweitausendjährigen Geschichte und Kultur der Juden am Rhein zu vermitteln.



Der Weg der Relikte nach Jerusalem
Im August 1963 erreichte ein Schreiben der Ausstellungsleitung von Köln die Stadtverwaltung Bingen mit der Bitte, die eiserne Tür und den Traustein aus der alten Synagoge für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Vermutlich hatte ein Bildbericht von M. Bernstein aus dem Jahr 1951, der in der „Allgemeine Jüdische Illustrierte“ mit dem Titel „Synagogen in Bingen“ erschienen war, den Hinweis auf die Relikte gegeben. 2)  Sie waren zusammen mit anderen wertvollen Ornamenten beim Verkauf der alten Synagoge als Erinnerungsstücke 1905 in die neue Synagoge in der Rochusstraße übernommen worden. Dem Gesuch der Ausstellungsleitung in Köln wurde stattgegeben mit dem Hinweis, dass sich die beiden Objekte in den Gebäuderesten der letzten Synagoge in der Rochusstraße befänden. Der aus rotem Sandstein bestehende  Traustein sei in die Wand eines Hausflurs fest eingemauert und müsse sorgsam heraus gebrochen werden.
Einem Briefwechsel zwischen der Mission d’Israel in Köln und der Stadtverwal-tung in Bingen vom April 1964 ist zu entnehmen, dass das Bezalel-National-Museum in Jerusalem bittet, die Möglichkeit zu prüfen, ob die Stadt Bingen die beiden der Ausstellung zur Verfügung gestellten Objekte „geschenkeweise“ dem National Museum überlassen könnte. Man bat um zügige Entscheidung, um die Relikte gegebenenfalls mit den Leihgaben des Bezalel Museums nach Jerusalem schicken zu können.
Seitens der Verwaltung wurde die Mission d’Israel in Köln davon in Kenntnis gesetzt, dass die überlassenen Objekte Eigentum der Jüdischen Gemeinde Mainz als Rechtsnachfolgerin der Binger Jüdischen Gemeinde seien. Man habe die Anfrage nach Mainz weitergeleitet.
Nachfolgenden Schreiben ist zu entnehmen, dass die Jüdische Gemeinde Mainz die eiserne Tür und den Traustein dem Bezalel-National-Museum in Jerusalem als Geschenke überlassen hat.
Auch das Museum of Ethnography and Folklore in Tel Aviv hatte sich nach Ausstellungsende mit der Bitte an die Stadt Bingen gewandt, dem Museum eine Gipskopie des Trausteins herstellen zu lassen; man werde für alle Kosten aufkommen. Dieses Museum widmet sich vor allem der religiösen jüdischen Kunst und der Folklore der verschiedenen jüdischen Religionsgemeinschaften auf der ganzen Welt.
Bingen leitete die Anfrage an die Mission d’Israel in Köln weiter, da der Traustein inzwischen dem Bezalel-National-Museum überlassen worden war. Ob das Museum in Tel Aviv in der Folge einen Gipsabdruck bekam, ist nicht bekannt.
In einem Brief des Chefkurators des Bezalel-National-Museums, Karl Katz, bedankt sich dieser bei der Stadt Bingen für die Erlaubnis, die besagten jüdischen Monumente in das Land und an den Ort zu bringen, in dem sie wohl platziert, präsentiert und hoch geehrt würden. 3)

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