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Seligmann Simon

Die Anfänge
Die Zeit in Bingen

Die Weingroßhandlung Seligmann Simon

Seligmann Simon und seine Frau Henrietta an ihrem 50. Hochzeitstag. Bild: Gerald Stern, England

 

Der Jude Seligmann Simon betrieb ab 1896 in der Mainzerstraße 60-62 einen Weingroßhandel von internationalem Rang mit Kellereien, Keltereien, Gärräumen und Flaschenlager, die sich über mehere Ebenen erstreckten. Zum 50-jährigen Bestehen wurde folgende Festschrift herausgegeben.

                                        Seligmann Simon
                               Weinbau und Weingrosshandel
                                           Bingen a. Rh.
                        © Seligmann Simon'schen Nachkommen

Frontansicht der Eronkellerei Seligmann SimonStammhaus Büdesheim bei BingenAnwesen Schloßbergstraße 1-3

An der großen Heeresstraße, die von Mainz nach Bingen führt, dicht an der Stadt, da wo sich durch das Rebengelände ein schmaler Weinbergsweg nach dem Rochusberg führenden breiteren und bequemeren Fahrweg schlängelt, liegt das stattliche Besitztum der Firma Seligmann Simon. Dieselbe wurde im Jahre 1856 in Gensingen bei Bingen gegründet und als Weinkommissionsgeschäft betrieben. Die ersten Weingroßhandlungen von Bingen und Mainz betrauten den Beründer der Firma mit ihren Einkäufen und groß war das Vertrauen, das er bei seinen Abnehmern, die durchweg im Laufe der Geschäftsverbindung auch seine Freunde wurden, genoß. Günstige Bahnverbindungen, Telephoneinrichtungen usw., die heute eine rasche Verständigung mit der Kundschaft ermöglichen, gab es in jenen Zeiten nicht, und so mußte man schon sehr früh auf den Beinen sein. Um 12 Uhr nachts von zu Hause wegzumarschieren, um in der Frühe zeitig bei der Kundschaft in Mainz vorzusprechen, das gehörte zu den täglichen Leistungen. Der Rückweg wurde ebenso zu Fuß unternommen. In jener Zeit wartete die Kundschaft noch auf „ihren" Kommissionär oder Makler, wie man dieselben damals schlicht nannte, und diese wiederum brauchten nicht zu fürchten, daß ein anderer, „die Konkurrenz", - wie heute – ihm Frontansicht der Weinkellerei Seligmann Simon zuvorkomme, ihm den Rang ablaufe. Es hatte damals jeder „seine Häuser" und diese wiederum „ihren Makler", d. h. ihren Vertrauensmann in des Wortes wahrer Bedeutung. Denn der Makler kannte ganz genau die Bedürfnisse seiner Freunde und konnte seine Angebote meistens noch in die Worte kleiden: „wir" kaufen diese oder jene Partie und selten, sehr selten, daß einem Rate nicht Folge gegeben wurde.

großer Geschäftshof mit KontorräumenTeilansicht des KelterhausesTeilansicht des Kelterhauses im Herbstbetrieb

Mit besserer Verbindung durch die Eisenbahn lag der Wunsch nahe, derselben nicht allzusehr entfernt zu sein, und so wurde der Sitz im Jahre 1860 nach Büdesheim bei Bingen verlegt. Von diesem Zeitpunkte an erfolgte auch die Übernahme von Kelterung und Herbsteinlagerungen für einen Teil der Geschäftsfreunde. Das weinarme Jahr 187o ließ Herrn Simon Umschau halten, wo er für seine Freunde Ersatz schaffen könnte, und so führte ihn sein Weg, vielmehr der gute alte Postwagen, von Bingerbrück über den Hunsrück an die Mosel, wo in Bernkastel in dem damals schon bestrenommierten „Hotel Gassen" (zu den drei Königen) Stammquartier genommen und Abstecher in die nähere und weitere Umgebung gemacht wurden, selbstverständlich alles zu Fuß, denn eine Bahnverbindung gab es damals noch nicht. Herr Seligmann Simon suchte die Weine lediglich nach seiner Probe aus, da es seiner eigenen Initiative entsprang, an der Mosel für das Fehljahr und den dadurch fühlbaren Weinmangel Ersatz zu suchen.
Hatten sich dortselbst doch bei damals schon renommierten Besitzern, wie den Geschwistern Thanisch, große Vorräte mangels Nachfrage aufgespeichert, so daß er von denselben allein zirka 1oo Fuder zu einem heute kaum glaublich billigen Preis ankaufen konnte. Er verkaufte nach Rückkunft die dort erworbenen Weine an seine Freunde, jedem Rechnung traggab und jeden nach Maßgabe für dessen Geschäftsumfang berücksichtigend, und gar oft mußte er diese Fahrten an die Mosel wiederholen. Aus dieser Zeit erst datieren auch die Ankäufe auf eigene Rechnung, die sogenannte Einlagerung auf Spekulation.

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