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Arbeitskreis Jüdisches Bingen öffnete am Tag der offenen Tür 19.05.2013 den Gedenkraum für die Öffentlichkeit

Großes Interesse der Bevölkerung am Thema "Binger Juden des 19. Jahrhunderts im Focus!"

Mit Freude stellten die Mitglieder des Arbeitskreises Jüdisches Bingen (AKJB) bei ihrem Tag der offenen Tür am 19. Mai 2013 fest, dass das Interesse der Binger am Thema und damit an der Arbeit des Arbeitskreises unverändert hoch ist. Möglicherweise deshalb, weil die Menschen sehen, dass der AKJB mit diesem ehemals „Tabuthema“ unverkrampft umgeht. Schließlich geht es nicht nur um die neuere Geschichte sondern um die Geschichte der Juden in Bingen von Anfang an. Viele sind mittlerweile offen für dieses Thema, wollen wissen was war, wollen Informati-onslücken schließen.
Genau diesem Wunsch kam der AKJB in vielfacher Hinsicht wieder nach. Zum Einen wurden die Räume in der ehemaligen Binger Synagoge in der Rochusstraße wieder für Besucher geöffnet, das Thema behandelnde Bücher zur Ansicht ausgelegt aber auch das bis ins Detail nachgebildete Modell der ehemaligen Synagoge wurde erneut ausgesellt. Zum Anderen wurde den Besuchern in einem Vortrag von Dr. Hans-Josef von Eyss Binger Stadtgeschichte näher gebracht. Mit vielen alten Bildern, Stadtansichten, Stadtplänen aus verschiedenen Epochen sowie Fotos und letztlich Informationen, die viele vorher noch nicht gesehen oder gehört hatten, konnte Dr. von Eyss die Zuhörer für sich gewinnen. Schließlich waren nachweisbar seit dem 10. Jahrhundert Juden in Bingen. Während 1160 erstmals von einer Binger jüdischen Gemeinde berichtet wird, lebten Ende des 19. Jahrhunderts in Bingen 720 Juden. Eine ganze Reihe von speziellen Steuern und Abgaben machte den meisten Juden das Leben nicht nur schwer, für viele von ihnen war es unmenschlich und unwürdig. Erst 1793 wurde es für die Juden in Bingen leichter. Bingen kam unter französische Herrschaft. Bis dahin zu zahlendes Schutzgeld und sogenannter Leibzoll wurden aufgehoben und die Juden wurden freie Bürger. Mit Dekret von 1811 erfolgte die politische und bürgerliche Gleichstellung aller Religionen. Dr. von Eyss machte auch ausführliche Ausführun-gen zu den politisch tätigen Binger Juden, wie dem Kaufmann Salomon Nathan, Sigismund Friedbörig bzw. Friedberg und dem Arzt Dr. Hirsch. In diesem Zusammenhang spielten auch die wichtigsten Binger Hotels eine Rolle, so die Hotels Victoria, Weißes Roß, Bellevue, Englischer Hof (später Hessischer Hof). Natürlich kam auch der religiöse Bezug im Vortrag nicht zu kurz. Für die Zuhörer war es interessant zu erfahren, dass Bingen viele bedeutende Rabbiner stellte und dass es seit 1876 in Bingen zwei jüdische Gemeinden gab, eine stark reformierte israelitische Religionsgemeinschaft mit dem Rabbiner Lebrecht und eine kleinere orthodoxe israelitische Religionsgemeinschaft mit dem Rabbiner Dr. Sänger.

Ein für uns wichtiger Rabbiner war Dr. Richard Grünfeld, der Rabbiner der liberalen reformierten israelischen Religionsgemeinschaft. Ihm verdanken wir die Festschrift zur Einweihung der neuen Synagoge im Jahr 1905 und damit einen wichtigen und ausführlichen Beitrag zur Geschichte der Binger Juden.
Mit Unterstützung von Herrn Kossmann vom Binger Stadtarchiv konnte diese Schrift kopiert und vervielfältigt werden. Sowohl diese Schrift als auch die Broschüre „Die alte und die neue Welt – Erinnerungen meines Lebens“ von Mathilde Mayer (1869 – 1969) fanden nach der Veranstaltung nicht nur großes Interesse sondern auch regen Absatz.
Der Vorsitzende des AKJB, Hermann-Josef Gundlach, dankte allen, die zum Gelingen des Tages der offenen Tür beigetragen hatten, insbesondere Herrn Dr. von Eyss.
Gundlach verwies darauf, dass die Juden große und hervorragende Binger Bürger, ja sogar Ehrenbürger stellten. Es waren Menschen „wie Du und ich“. Umso unverständlicher, dass das Unmenschliche und für uns Unbegreifbare stattfand. Eine Aufgabe für uns, so Gundlach, daran mitzuarbeiten, dass so etwas nicht noch einmal geschehen kann.