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Binger Jugendliche - Stolpersteine

HIGA-Schüler sammeln
SSG-Schüler Stolpersteine poliert

HIGA-Schüler sammeln für die Verlegung von Stolpersteinen

AZ-Bingen vom 23.02.2013
Von Jochen Werner

Mittlerweile pflastern etwa siebzig Stolpersteine die Binger Bürgersteige. Zehn davon sind auf Initiative der Hildegardisschule und Lehrerin Petra Görner zustande gekommen. 120 Euro kostet ein Stein, der die Erinnerung an das schwärzeste Kapitel der deutschen Geschichte wachhalten soll.

Arbeitskreis hält Kontakt

Etwa 150 Juden wurden während des Dritten Reichs aus Bingen deportiert. Weitere, die bereits ins Ausland geflohen waren, wurden von dort in die Konzentrationslager gebracht. Beate Goetz hält mit dem Arbeitskreis jüdisches Bingen zweimal jährlich Kontakt mit den Nachkommen derer, die ob der menschenverachtenden Weltanschauung des Hitler-Regimes ihr Leben lassen mussten. Die meisten dieser Menschen seien heute zwischen 80 und 90 Jahre alt und in der ganzen Welt verstreut, so Goetz. Kontakte, und darauf ist Beate Goetz stolz, bestünden natürlich auch über den Tod der alten Leute hinaus mit der nächsten Generation.

Die Stolpersteine Nummer neun und zehn hat Petra Görner jetzt mit einer sechsten Klasse der Higa durch Kuchenspenden und -verkauf in den Pausen erwirtschaftet. Verlegt werden sollen sie im November, der genaue Termin steht allerdings noch nicht fest.

Warum dieses Engagement? Oskar Wieber (88), der Vater der Lehrerin, ist Zeitzeuge. Er wuchs in der Umgebung jüdischer Familien auf. Von seinen Erinnerungen berichtete er nun vor 26 Higa-Schülerinnen: von Max Katz, der als dekorierter Teilnehmer des Ersten Weltkrieges allein wegen seines Glaubens über Nacht vom geliebten und anerkannten Nachbarn zur gemiedenen, unerwünschten Person wurde. Wiebers eindringliche Mahnung, sich gegen blind machende Vorurteile und gezielte Propaganda zu wehren, seine Stimme dagegen zu erheben, soll bereits die Sechstklässlerinnen aufrütteln und für das Thema sensibilisieren. „Wer vergisst, ist in Gefahr, dieselben Fehler, die er einst gemacht hat, zu wiederholen“, erinnerte Wieber daran, rechtzeitig etwas im Wissen um die „Vergangenheit, die nicht vergehen will“, zu tun. Seine wahre Geschichte drehte sich einerseits um Angst und um das Alleinsein, andererseits aber genauso um die Lehren daraus und um Toleranz.

Trialog der Kulturen

An der Higa ist das Engagement von Petra Görner eingebettet in den „Trialog der Kulturen“; ein Projekt, das von Marion Schadek-Bätz betreut wird. In dem von der Bad Homburger Herbert-Quandt-Stiftung ausgerufenen Wettbewerb geht es darum, interkulturelle Kompetenzen zu stärken und das Wissen um die Lebenswelten von Judentum, Christentum und Islam zu vertiefen. Für ein Mehr an europäischer Identität und kulturellem Pluralismus. Dies wird am Beispiel der Stolpersteine vom Großen auf das Kleine, auf die unmittelbare Umgebung heruntergebrochen.

Der Arbeitskreis hat dank der Schulinitiative keine Kosten. „Es ist wunderbar zu sehen, dass junge Leute das Unternehmen mitsponsern“, bedankte sich Goetz.