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Verlegung Stolpersteine im Jahr 2015

Schmalz; Rosa geb. Kahn
Mainzer Straße 40
Stern; Julius, Selma geb. Mayer, Fritz
Rheinstraße 10
Stern; August, Paula geb. Oppenheimer, Walter, Ilse Frohmann geb. Stern
Beuchergasse 13
Wolf; Fanny geb. Rosenbaum, Martin, Eugen, Gertrud geb. Levy, Marie
Gaustraße 55
Rosenbaum; Klara, Katharina
Gaustraße 55

Die 7. Stolpersteinverlegung in Bingen am 6. Juli 2015

Größtes Mahnmal weltweit wächst
AZ 08.07.2015: Stolpersteine   Künstler Gunter Demnig verlegt weitere 15 Exemplare in Bingen
Bericht von Jochen Werner

90 Stolpersteine lagen bereits, seit dem Montag kommen 15 neue hinzu Foto: H. J. Gundlach

BINGEN. Was bedauerlicherweise in manchen Gemeinden kontrovers diskutiert wird, ist in Bingen zum Glück selbstverständ-
lich. 90 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig lagen bereits, seit Montag kommen 15 neue hinzu. In 1047 Städten und Dörfern erinnern sie an die Opfer des Nationalsozialismus vor deren letzten freien Wohnungen. Als 20. Land werde demnächst Griechenland hinzukommen, berichtete Demnig beim Verlegen des Steins für Rosa Schmalz in der Mainzer Straße, die am Tag der Deportation der damals 66-Jährigen, dem 27. September 1942, noch Adolf-Hitler-Straße hieß.
Demnigs Handgriffe sitzen, was er benötigt, bringt er in seinem Auto mit. Der Ablauf ist nach über 20 Jahren immer gleich, seit der Berliner im Januar 1995 in in seiner Wahlheimat Köln noch ohne behördliche Genehmigung die ersten Steine verlegte und mit dem Kunstwerk begann, das zum größten Mahnmal weltweit wurde. Und dennoch: Mit Routine hat die Verlegung absolut nichts zu tun. Während Demnig die kleinen Betonquader mit den aufgesetzten Messingplättchen verlegt, informiert Beate Goetz vom Arbeitskreis jüdisches Bingen über die Menschen, für die die Steine stehen, und überderen Schicksale. Immer individuell und bei aller Nüchternheit immer bewegend und so, dass es dem interessierten Zuhörer in Anbetracht des Unfassbaren unter die Haut gehen muss. Vergessen werden darf das Grauen nie. „Wir versuchen, die Erinnerung in der Schule mit Projekten lebendig zu halten, die Schüler zu sensibilisieren", unterstrich Andreas Kühn als stellvertretender Schulleiter des Stefan-George-Gymnasiums die Bedeutung.
Er sei beim Besuch der Delegationen aus den Partnerstädten Anamur, Kutná Hora und Hitchin während des Bingenswingt-Wochenendes auf die Stolpersteine angesprochen worden, berichtete Ulrich Mönch von deren durchweg positiver Resonanz. Gleichzeitig ging sein Dank an Beate Goetz für ihre „Sisyphusarbeit" bei der Erstellung der Lebensläufe der Deportierten. „Die Stadt könnte das nicht leisten", stellte der Bürgermeister die Bedeutung heraus, nur dank Ehrenamtlicher wie Goetz, Hermann-Josef Gundlach oder Hans-Josef von Eyss, das Gedenken an die von den Nazis Verfolgten und Ermordeten wachhalten zu können.
Von negativen Auswirkungen in Bezug auf die Steine ist Bingen bislang verschont geblieben. Der Angst, wie sie in manchen Kommunen herrscht, kann er mit der Erfahrung aus fast 19 Jahren entgegensetzen, dass sich Aggressionen bislang höchstens gegen die Steine gerichtet haben, nicht aber gegen die Häuser, vor denen sie verlegt wurden. Einige, etwa in Greifswald oder in Seeheim-Jugenheim, habe man herausgerissen, andere mit Farbe besprüht. In Salzburg seien 70 Stolpersteine mit einem Teerpräparat verunstaltet worden. Schlecht für die Täter: „Die beiden wurden erwischt, zu fünf beziehungsweise vier Jahren Haft verurteilt", erinnert sich Demnig.

SERIE
In der Serie „Steine der Erinnerung" stellt die AZ
die Binger Familien vor, an die nun durch die neu-
en Stolpersteine erinnert wird. Autorin ist das Vor-
standsmitglied des Arbeitskreises Jüdisches Bingen,
Beate Goetz.

Lesen Sie hierzu auch:

Die Allgemeine Zeitung Bingen widmet dieser Aktion eine Serie von Beiträgen zur Erinnerung an das Schicksal Binger Juden .

AZ-Serie 1 vom 22.06.2015: Beton und Messing gegen das Vergessen

AZ Serie 2 vom 01.07.2015: Erinnerung an die Uroma

AZ-Serie 3 vom 11.07.2015: Gedenken an ermordete Familien

AZ-Serie 4 vom 31.07.2015: Vor der Auswanderung ermordet

AZ-Serie 5 vom 04.08.2015: Erst geehrt, dann enteignet und ermordet