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Innenminister Lewentz besucht Binger Synagoge und Judenfriedhof

Fr 26.06.2015 | Pressemitteilungen | Stadt Bingen

Themen

Neben dem Besuch der Synagoge nahm sich der Minister auch die Zeit, über den jüdischen Friedhof oberhalb der Stadt Bingen zu gehen.
Quelle: Stadt Bingen

Arbeitskreis versteht sich als Bürgerinitiative gegen das Vergessen
Auf Einladung des Arbeitskreises Jüdisches Bingen (AKJB) besuchte Staatsminister Roger Lewentz, sowohl die ehemalige Synagoge als auch den Binger Judenfriedhof. Der Vorsitzende des AKJB, Hermann-Josef Gundlach, begrüßte Minister Lewentz in Bingen und dankte für seinen Besuch, der damit auch an die schlimme Zeit erinnere, in der Menschen aus rassistischen Gründen ermordet wurden. Von diesen Schandtaten war auch die Stadt Bingen nicht verschont. Mehr als 150 Binger Bürger jüdischen Glaubens wurden deportiert und von den Nazis umgebracht. Dass dies nicht vergessen, sondern vielmehr weitergetragen wird, ist eine der Hauptaufgaben des AKJB.
Der Arbeitskreis ist, so Gundlach, eine Bürgerinitiative gegen das Vergessen.
Dass dieser Besuch von besonderer Bedeutung ist, zeigt auch die An-wesenheit von Oberbürgermeister Thomas Feser, von Landtagsabge-ordneten Michael Hüttner, dem Ehrenvorsitzenden des AKJB, Dr. Josef Götten und dem Gründungsmitglied und Ehrenbürger Clemens Hahn. Gundlach wies aber auch darauf hin, dass nach einer längeren Phase in der keine Juden mehr in Bingen lebten, jetzt wieder Juden in Bingen beheimatet sind. Für ihn war es deshalb selbstverständlich, die Vorsitzende von TifTuf, Natalia Piskunova, einzuladen. Er legte Wert darauf festzustellen, dass diese beiden Vereine nicht nur gut zusammenarbeiten, sondern sich ergänzten.
Gundlach stellte stichwortartig die Tätigkeiten und die Aufgaben des AKJB dar. Vergangene Woche fuhren über 100 Binger Seniorinnen und Senioren in die neue Mainzer Synagoge. Eine Kooperationsveranstaltung des Binger Seniorenbeirates und des AKJB. Von besonderer Wichtigkeit sind dem AKJB die Kinder und Jugendlichen. Sehr viele Grundschüler und Schüler des Stefan George-Gymnasiums waren Gäste in den Räumen der ehemaligen Synagoge. Von besonderer Bedeutung sind die Publikationen des AKJB. Bis jetzt sind vier Bände erschienen, die nicht nur das Interesse von Bingern gefunden haben sondern jetzt u.a. auch in der Deutschen Nationalbibliothek, der Bayerischen Staatsbibliothek, im Landesarchiv in Speyer, der Kölner Germanica Judaica und nicht zuletzt in der Yad Vashem Library in Israel zu finden sind. Die Bücher können käuflich erworben aber auch in der Binger Stadtbibliothek ausgeliehen werden.
Einen ganz wichtigen Beitrag leistet Beate Goetz, die im AKJB seit vielen Jahren für die Stolpersteinaktion in Bingen verantwortlich zeichnet und gerade dabei ist, den nächsten Termin vorzubereiten. Am 6. Juli werden wieder 15 Stolpersteine verlegt, so dass dann in Bingen über einhundert Stolpersteine liegen. Es sind Hinweise auf Binger Bürger jüdischen Glaubens die über keine Gräber oder Grabsteine verfügen. Beate Goetz hält außerdem Kontakt zu ehemaligen Binger Juden bzw. jetzt verstärkt zu deren Nachkommen in der ganzen Welt.
Ein weiteres Arbeitsgebiet ist die Forschung auf dem Gebiet der Ge-schichte der Juden in Bingen und Umgebung. Wir haben - so Gundlach - jetzt dank eines unserer Mitglieder Zugang zum Archiv in Jerusalem gefunden und bereits eine Menge von Originalunterlagen zur Auswertung erhalten.
Mit Blick auf die aktuellen politischen Vorgänge in Deutschland und in der Welt sieht der AKJB seine Existenzberechtigung mit den Zielen "Erinnern - Gedenken - Verbinden und Mahnen " mehr denn je gegeben.