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Gedenken an Pogromnacht am 9.11.2019 vor der ehemaligen Synagoge

150 Menschen gedenken an der ehemaligen Synagoge in der Rochusstraße der Pogromnacht 1938
 
Von Jochen Werner
BINGEN. Der neunte November ist ein historischer Tag, quasi ein „Schicksalstag" für die Deutschen. Er ist der Tag der sogenannten Reichspogromnacht 1938, vielfach als „Kristallnacht" bekannt, in der sich der Antisemitismus manifestierte und in der überall im damaligen Deutschen Reich Synagogen und jüdische Geschäfte in Brand gesteckt wurden - auch in Bingen.
Das Gedenken an die Ereignisse.dieses Tages vor mittlerweile 81 Jahren ist unerlässlich. Absolut einig sind sich darin die katholische Pfarrgemeinde St. Martin, die evangelische Johanneskirchengemeinde, die freie evangelische Gemeinde, die Fels-Gemeinde, der Arbeitskreis Jüdisches Bingen (AKJB) und TIFTUF, der Förderverein für jüdisches Leben in Bingen heute. Gemeinsam gedachten am Samstagabend knapp 150 Menschen aus Bingen und Umgebung vor der ehemaligen Synagoge in der Rochusstraße der Ereignisse von damals, gemeinsam mit Schülern der Rochus-Realschule plus sowie Christian und Florian Hemmerle von der KKM Bingen.
Wie wichtig das Gedenken ist, benannte Natalia Piskunova. Die TIFTUF-Vorsitzende wies auf den 9. Oktober dieses Jahres hin, an dem in Halle ein Massaker eines Einzelnen gerade noch vereitelt werden konnte. Der Kampf gegen den Antisemitismus sei eine Aufgabe, die die ganze Gesellschaft leisten müsse. Auch 81 Jahre nach den Novemberpogromen.
Klaus Biesdorf stimmte ins Thema ein, Hermann-Josef Gundlach gedachte gemeinsam mit den Schülern der Vor kommnisse in Bingen an jenem 9. November 1938, als Unbekannte mithilfe der Binger und der Ingelheimer SA in die 1905 unter großer Anteil¬nahme der Bevölkerung und der Stadt eingeweihte Synagoge eingedrungen waren und die Bänke in Brand gesetzt hatten, später das Gebäude und seine Einrichtung zerschlugen, viele Wohnungen demolierten.
An zwei Menschen, die damals direkt betroffen waren, erinnerten Gundlach und Beate Goetz. Die 1927 geborene Doris Brück (heute Herzberg) schickte eine E-Mail aus Mexiko an den AKJB, in der sie schilderte, wie an jenem Tag „meine Schulbildung aus war", ihre Jugendjahre und die Ausbildung gestohlen wurden.
Goetz zitierte aus einer Rede von Yasmin Lahav, deren Urgroßeltern Moritz und Else Wolf dem Holocaust zum Opfer gefallen, deren Großeltern samt ihrer Geschwister nach Israel gezogen waren. Alle gewaltsam, schuldlos und aufgrund eines völlig verqueren, unmenschlichen Weltbildes herausgerissen aus ihren Träumen, aus einem „normalen" Leben.