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Karl Wolff - eine große Persönlichkeit

Edgar Wolff am Grab seines Großvaters auf dem Judenfriedhof in Bingen; Edgar Wolff verstarb am 24.10.1992 in Buenos Aires.


Text: Carl Woog

Karl Wolff war eine der großen Persönlichkeiten in der aufstrebenden Gemeinde Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang dieses Jahrhunderts. Er wurde am 27.2.1847 geboren und war mit Karoline Eichberg verheiratet.

Karl Wolff war als Bauunternehmer im aufstrebenden Bingerbrück um die Jahrhundertwende bei fast allen Erschließungsmaßnahmen aktiv und der Bau zahlreicher Wohnhäuser fällt in seinen beruflichen Wirkungskreis. Von 1899 bis 1914 war er Mitglied des Gemeinderates. In der Gemeinderatssitzung am 16.6.1899 wird Karl Wolff in das Gremium aufgenommen. Im damaligen Sitzungsprotokoll ist vermerkt:

„Gegen die Aufnahme des Wolff als Mitglied des Gemeinderates findet sich nichts zu erwidern, da der vorgeschriebene Betrag von 150 Mark an Grund- und Gebäudesteuer jährlich gezahlt wurde.'

Bereits in der Gemeinderatssitzung am 11.8. 1899 beantragte Karl Wolff die Aufhebung des Bauverbotes in der „Langewann'. Er blieb bis 1914 Mitglied dieses Gremiums.

Seinen jüdischen Glauben lebte er mit großem Engagement und beteiligte sich aktiv am Gemeindeleben der Binger jüdischen Gemeinde; 1891 stiftetete er anläßlich der Synagogenrenovierung einen Toramantel.

Am 3.3.1929 starb er in Bingerbrück, begraben wurde er auf dem jüdischen Friedhof in Bingen; seine Grabstätte ist dort heute noch erhalten.

1987 hatte ich Gelegenheit seinen Enkel, Edgar Wolff, der in Argentinien lebte, bei einem Besuch in Bingerbrück kennenzulernen. Es entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahre eine sehr enge und interessante Beziehung.

Im gleichen Jahr konnte ich dem damaligen Oberbürgermeister, Erich Naujack, den Vorschlag unterbreiten, die damalige Poststraße in Bingerbrück nach dem verdienten Gemeinderat und Bauunternehmer, Karl Wolff, zu benennen. Herr Naujack begründete persönlich diesen Vorschlag in der Stadtratssitzung im Juli 1987 und so wurde nach einem einstimmigen Beschluß des Binger Stadtrates die Poststraße in Karl-Wolff- Straße umbenannt.

Besonders wir jüngeren Menschen sollten es als ein positives Zeichen gegenüber unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ansehen, daß es nach 50 Jahren als Normalität erscheint, wenn Straßen und Plätze auch nach jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern benannt werden. Hier gibt es auch in Zukunft noch Handlungsbedarf. Zu denken wäre an das jüdische Ehepaar Herz, das grausam in einem Konzentrationslager bei Lublin in Polen ermordet wurde. Es ist durchaus denkbar, daß eine Straße in Bingerbrück den Namen Selma-Herz-Straße tragen könnte.

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