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Verlegung Stolpersteine im Jahr 2005 und 2006

Bingen-Innenstadt
Rosenthal; Emanuel, Alice
Schmittstraße 9
Hausmann; Klara
Schloßbergstraße 42
Marcus; Rosa, Hugo, Emma, Adele, Henny
Schmittstraße 49
Dehmel; Ida
Basilikastraße 3

Stolpersteine gegen das Vergessen - Jahr 2005 / 2006

Text: Beate Goetz

Es begann im Jahr 2005 mit zwei Stolpersteinen in der Schmittstraße. Dr. Yael Neuman aus Tucson, Arizona ließ sie zum Gedenken an ihre Großeltern Alice und Emanuel Rosenthal verlegen. Zuvor hatte der Bau-Ausschuss dem Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, mit dem dieser europaweit vor ehemaligen jüdischen Häusern oder Wohnungen an die Opfer des Holocaust erinnert, auch für Bingen seine Zustimmung erteilt. Der Arbeitskreis Jüdisches Bingen, dessen zentrales Anliegen es ist, die ehemaligen Binger jüdischen Bürger nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, übernahm fortan die Koordinierung der vorbereitenden Arbeiten, wirbt um Sponsoren, informiert die heutigen Besitzer der Anwesen und hält engen Kontakt zu Verwaltung und Künstler.

Die 'Stolpersteine' werden im öffentlichen Gehwegbereich verlegt, weshalb die Zustimmung der Kommune nötig ist. In vielen Fällen ist es nur noch die Parzelle, die zugeordnet werden kann, da sich durch den Wiederaufbau infolge der Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs das Binger Straßenbild mitunter stark verändert hat.

Dank mehrerer Sponsoren, die das Projekt unterstützen wollen, hatte der Arbeitskreis Jüdisches Bingen am 7. August  2006 ab 9.30 Uhr zur Verlegung von 7 weiteren Gedenksteinen eingeladen.

Der erste Stein in der Schlossbergstrasse 42 wird an Klara Hausmann geb. Wohlgemuth erinnern. Sie wurde am 9. September 1890 in Bingerbrück geboren und wohnte mit Ehemann Julius Hausmann (*1885 in Flehingen/Baden), Tochter Lotte (*1913) und Sohn Fritz (*1921) in der Schloßbergstrasse mit der damaligen Hausnummer 30.
Lisa Japha geb.Gross aus Denver, Colorado schrieb im Dezember 2004: 'Julius Hausmann war Sozius mit meinem Vater (Anm.: Paul Wolfgang Gross) im Weingeschäft Gross und Hausmann, das im Hinterhaus Gaustraße 21 (damaliger Zählung) untergebracht war.'

Von den Geschwistern Marcus, an die fünf Steine in der Schmittstraße 49 erinnern werden, ist nicht allzu viel bekannt. Im Adressbuch von 1927/28 für Bingen, Bingerbrück und Rüdesheim findet sich unter Marcus der Eintrag: Rosa, Emma, Adele und Henny Marcus, Modes, Schmittstraße 93. Die vier Schwestern betrieben gemeinsam einen Hutladen, Rosa (*1870), die älteste, nannte sich „Putzmacherin'. Der Ausdruck „Modes' als Geschäftsbezeichnung deutet darauf hin, dass sich noch bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sprachliche Relikte aus der Franzosenzeit (1793 - ca. 1815) im allgemeinen Sprachgebrauch erhalten hatten.

Der letzte der sieben Steine ist Ida Dehmel geb. Coblenz gewidmet. Sie wurde am 14. Januar 1870 als Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Kommerzienrat Simon Zacharias Coblenz und seiner Frau Emilie geb. Meyer geboren. Während der Vater aus Paris stammte, zählte die Familie der Mutter zu den alteingesessenen Binger Weingutsbesitzern, die am Markt im ehemaligen Puricelli'schen Stadtpalais ein großbürgerliches Haus führte. Idas Elternhaus mit weitläufigem Garten stand in der Kirchstraße 3, heute Basilikastraße/Ecke Kaufhausgasse.

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